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Neue Osnabrücker Zeitung

16. Dezember 2008

Die Jury

Prof. Dr. Claus Rainer Rollinger
Präsident der Universität Osnabrück

Maria-Theresia Piepenbrock
Kulturstiftung Hartwig Piepenbrock

Ursula Bode
Kunstkritikerin, Essen

Prof. Klaus Dierßen
Universität Hildesheim

Prof. Eckard Kremers
Philipps-Universität Marburg

Prof. Dr. Hans-Joachim Manske
Städtische Galerie Bremen | Hochschule Bremen

Thomas Rentmeister
Freier Künstler, Berlin

 

 

Feuilleton

Kunst nach Konzept

Von Stefan Lüddemann

Für eine Woche ist das Fachgebiet Kunst der Universität wieder Galerie. Die für den Piepenbrock-Förderpreis nominierten Studierenden zeigen ihre Arbeiten.

Der regelmäßigen Wiederkehr der Präsentation entspricht ihr künstlerischer Ertrag. Und der ist, salopp gesagt, durchwachsen. Natürlich können sich Arbeiten von nahezu 40 Studierenden, die sich obendrein von der Malerei bis zu Foto oder Bühnenspiel aller erdenklichen Techniken bedienen, nicht zur homogenen Gesamtschau fügen. Zudem werden Werke präsentiert, die sich didaktischen Entstehungskontexten verdanken. Zu denken geben jedoch die deutliche Stagnation des Gesamtniveaus und die Tatsache, dass kaum eine der ausgestellten Positionen den erkennbaren Mainstream des Fachgebietes Kunst überragt. Oder sorgt die Ausrichtung auf den Piepenbrock-Förderpreis für die insgeheime Angleichung an unterstellte Geschmackserwartungen?

Gleichviel. Die Ausstellung im Gefolge der Verleihung der Förderpreise (wir berichteten) hat allein schon als Schaufenster des Fachgebietes Kunst vor Ort einen unersetzlichen Stellenwert. Übrigens auch als Lehrstück dafür, wie Werke konzeptionell überfrachtet werden können. Daniel Torrado Hermo etwa zeigt winzige Variationen eines einzigen Motivs und gibt ihnen grotesk ausladende Titel. „Fliege-Omi probiert eine Bankräuber-Pose“ oder „Baselitzeske Umkehrung“. Und all das für Arbeiten, die außerhalb ihres seriellen Kontextes trotz ihrer technischen Qualitäten kaum bestehen könnten? Ganz schön waghalsig. Ähnlich überfordert wirkt eine Installation von Patricia da Costa Leitão, die optisch anspricht, aber als Bebilderung aller erdenklichen Lebensgrundprobleme überanstrengt wirkt. Knallgrüne Gummihandschuhe und rote Äpfel auf einem Schachbrett – so viel plakative Gegensätzlichkeit wirkt ermüdend.

Aber wo sind neben den meist wenig aufregenden Foto- und Malereistrecken die Arbeiten, die trotz mancher Mängel im Gedächtnis bleiben? Hier sind drei Tipps – ganz gegen das Votum der Piepenbrock-Jury. Erstens: Augustina Stanoeva hat aus Folienfotos und Fundstücken eine Installation als sensible Recherche in Erinnerungsbeständen gefügt. Die Spannung zwischen flüchtigem Bild und rauer Realie von Dachpfanne bis Zigarettenkippe berührt. Zweitens: Charlotte Dally hat den Mut zum großen Farbtheater. Sie zeigt die einzige Malereiposition, die Mittel und Möglichkeiten des künstlerischen Genres ansteckend lustvoll inszeniert. Derart kraftvolle Bilder kommen ohne sichernde Halteseile von Konzeptpapieren aus. Drittens: Eva Jarminowski zeigt mit dem Video „Barbie in Effi Briest“ eine hintersinnig-ironische Adaption des Fontane-Klassikers mit Blick auf aktuelle Fragen nach Geschlechterrollen. Im plüschigen Ambiente einer zeitlos schrecklichen Wohnstubenheimeligkeit positioniert, bietet diese Arbeit das doppelbödigste Vergnügen der Ausstellung.

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